Handwerker-Stundensatz-Rechner
Anders als die anderen Rechner in diesem Cluster richtet sich der Handwerker-Stundensatz-Rechner an Handwerksbetriebe selbst: Er hilft dabei, einen kostendeckenden Stundensatz zu ermitteln – auf Basis von Lohnkosten, Gemeinkosten, produktiven Stunden und einem gewünschten Gewinnaufschlag.
So funktioniert die Berechnung
Kostendeckender Stundensatz = (Lohnkosten + Gemeinkosten) / produktive Stunden
Produktive Stunden sind die tatsächlich abrechenbaren Arbeitsstunden pro Jahr – also die Sollarbeitszeit abzüglich Urlaub, Krankheit, Fortbildung, Fahrzeiten und nicht abrechenbarer Verwaltungszeit. Auf den kostendeckenden Stundensatz wird abschließend der gewünschte Gewinnaufschlag aufgeschlagen, um den empfohlenen Stundensatz zu erhalten.
Bei mehreren Mitarbeitenden lassen sich Lohn- und Gemeinkosten aller Angestellten addieren und durch die Summe der produktiven Stunden aller Mitarbeitenden teilen. So lässt sich auch für kleine Teams ein einheitlicher, kostendeckender Stundensatz ermitteln, auch wenn einzelne Mitarbeitende unterschiedlich viele produktive Stunden leisten.
Beispielrechnung
Beispiel: Ein-Mann-Betrieb
| Position | Betrag |
|---|---|
| Lohnkosten | 45.000 €/Jahr |
| Gemeinkosten | 15.000 €/Jahr |
| Gesamtkosten | 60.000 €/Jahr |
| Produktive Stunden | 1.500 Std./Jahr |
| Kostendeckender Stundensatz | 40,00 €/Std. |
| Empfohlener Stundensatz (+15 % Gewinn) | 46,00 €/Std. |
Beispiel: Kleiner Betrieb mit drei Mitarbeitenden
| Position | Betrag |
|---|---|
| Lohnkosten (3 Mitarbeitende) | 150.000 €/Jahr |
| Gemeinkosten (2 Fahrzeuge, Werkstatt) | 55.000 €/Jahr |
| Gesamtkosten | 205.000 €/Jahr |
| Produktive Stunden (gesamt) | 4.400 Std./Jahr |
| Kostendeckender Stundensatz | 46,59 €/Std. |
| Empfohlener Stundensatz (+20 % Gewinn) | 55,91 €/Std. |
Mit steigender Betriebsgröße wachsen zwar die Gemeinkosten absolut, sie verteilen sich aber auf mehr produktive Stunden – ob sich das im Stundensatz positiv oder negativ bemerkbar macht, hängt stark von der jeweiligen Kostenstruktur ab.
Diese Faktoren beeinflussen die Kosten
- Produktive Stunden: Je weniger abrechenbare Stunden ein Betrieb hat (z. B. durch viele Fahrzeiten), desto höher muss der Stundensatz sein, um dieselben Kosten zu decken.
- Gemeinkosten: Fahrzeugkosten, Werkzeug, Versicherungen, Miete für Lager/Werkstatt und Verwaltungsaufwand fließen alle in die Gemeinkosten ein.
- Gewinnaufschlag: Sollte nicht nur Gewinn, sondern auch Rücklagen für Investitionen und Risiko abdecken.
- Spezialisierung: Betriebe mit seltenen Spezialkenntnissen können oft höhere Stundensätze durchsetzen als Betriebe in stark umkämpften Marktsegmenten.
- Betriebsgröße: Mit mehr Mitarbeitenden steigen zwar die Gemeinkosten absolut, sie verteilen sich aber auch auf mehr abrechenbare Stunden.
Regionale Unterschiede
Der kostendeckende Stundensatz selbst ist zunächst unabhängig von der Region, da er aus den eigenen Kosten des Betriebs berechnet wird. Der empfohlene Gewinnaufschlag sollte sich jedoch am regionalen Marktniveau orientieren: In Regionen mit hoher Nachfrage und wenig Konkurrenz lässt sich oft ein höherer Aufschlag durchsetzen als in Regionen mit vielen vergleichbaren Anbietern.
Was der Rechner nicht abbildet
Der berechnete Stundensatz ist eine betriebswirtschaftliche Orientierung. Er berücksichtigt nicht die tatsächliche Marktlage, Wettbewerbspreise in der Region oder saisonale Schwankungen der Auftragslage – diese sollten zusätzlich in die Preisgestaltung einfließen.
Häufige Fragen
Wie viele produktive Stunden hat ein Handwerksbetrieb im Jahr?
Bei einer 40-Stunden-Woche und rund 220 Arbeitstagen ergeben sich rechnerisch etwa 1.760 Stunden brutto. Nach Abzug von Urlaub, Krankheit, Fahrzeiten und nicht abrechenbarer Zeit bleiben meist 1.300 bis 1.700 produktive Stunden übrig.
Wie hoch sollte der Gewinnaufschlag sein?
Das hängt vom Geschäftsmodell ab. Viele Betriebe kalkulieren zwischen 10 % und 25 % Aufschlag auf die reinen Selbstkosten, um Gewinn und Investitionsrücklagen zu bilden.
Was zählt zu den Gemeinkosten?
Fahrzeugkosten, Werkzeug und Maschinen, Miete für Werkstatt/Lager, Versicherungen, Buchhaltung, Marketing und sonstige Verwaltungskosten, die nicht direkt einem Auftrag zugeordnet werden können.
Ist dieser Rechner auch für Angestellte relevant?
Dieser Rechner richtet sich in erster Linie an Betriebsinhaber zur Preiskalkulation, nicht an Angestellte zur Berechnung ihres Gehalts.
Warum liegt mein berechneter Stundensatz unter dem üblichen Marktniveau?
Das kann daran liegen, dass Gemeinkosten oder Rücklagen für Investitionen zu niedrig angesetzt wurden, oder dass die Zahl der produktiven Stunden zu optimistisch geschätzt ist. Ein Vergleich mit Stundensätzen ähnlicher Betriebe in der Region hilft bei der Einordnung.
Sollte ich unterschiedliche Stundensätze für verschiedene Leistungen ansetzen?
Viele Betriebe kalkulieren einen einheitlichen Stundensatz für einfache Standardleistungen und einen höheren für spezialisierte oder besonders dringende Arbeiten, um den zusätzlichen Aufwand abzubilden.